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Stellungnahme zur Berichterstattung über die Bürgerversammlung zur Vorstellung des neuen Gesundheitszentrums vom 30. Mai 2004

An der Bürgerversammlung zur Vorstellung des neuen „Gesundheitszentrums für Obdachlose“, die am 26. Mai in der Pflugstr. 12 in Berlin-Mitte stattfand, nahmen ca. 50 Personen teil. Moderator war Ulrich David, stellv. Fraktionsvorsitzender der SPD und Mitglied der BVV. Anwesend waren weiterhin die Stiftungsvorsitzende, Frau Dr. Jenny De la Torre, Mitglieder des Vorstands sowie der Stadtrat für Gesundheit und Soziales, Dr. Christian Hanke.

Auf der Veranstaltung wurden viele kritische Meinungen von Anwohnern geäußert. So wurde auf das Fremdenheim und die Drogenproblematik im Kiez verwiesen und die Frage aufgeworfen, warum ausgerechnet hier eine Einrichtung für Obdachlose entstehen soll und nicht besser im Zentrum Berlins.
Stadtrat Dr. Hanke und die Stiftungsvorsitzende Dr. De la Torre nahmen die Befürchtungen der Bürger sehr ernst und informierten über die nächste Schritte der Stiftung beim Aufbau des Zentrums sowie deren Notwendigkeit. In Berlin müsse außer den bestehenden Angeboten dringend eine weitere medizinische Einrichtung für Obdachlose geschaffen werden, um den zunehmenden Bedarf abzudecken.

Die Feststellung in Medienberichten, dass die Anwohner das Projekt ablehnen, ist so allein aber nicht richtig. Es fehlen diejenigen Stimmen, die einer Einrichtung für Obdachlose aufgeschlossen gegenüberstehen. So äußerte eine Anwohnerin ihre Haltung zum bisher Gesagten mit den Worten „beschämend“, womit sie die Ablehnung einzelner Bürger deutlich kritisierte. Ihr Beitrag ging nicht in der Diskussion „unter“, sondern wurde von vielen Anwesenden dankbar und unterstützend aufgenommen. Damit wurde nachdrücklich eine Wende der Diskussion hin zu konstruktiver Auseinandersetzung mit dem Thema herbeigeführt. In Medienberichten zu dieser Veranstaltung stand lediglich ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat „Die ehrenwerten Bürger wollen auch keine Kinder und keine Hunde.“

Nicht erwähnt wurde weiterhin eine Ärztin aus Zehlendorf, die das Projekt deutlich befürwortete und viele Informationen aus ihrer ärztlichen Tätigkeit mit Obdachlosen gab. Jüngere Nachbarn erfragten Informationen zu den Öffnungszeiten, der Gartennutzung und den genauen Hilfsangeboten der Stiftung. Mehrere Anwohner boten ihre Unterstützung für die Zukunft an. Weiterhin fehlte der Hinweis auf die konkreten Hilfsangebote seitens des Bezirksamtes, um ein harmonisches Klima im Kiez zu fördern. David schlug vor, einen Dienst für das Zentrum einzurichten. Über weitere Unterstützungsmöglichkeiten wird nachgedacht.

Die auch gebrauchte Formulierung „Anwohner liefen Sturm“ entspricht nicht den Tatsachen. Niemand ist in dieser Veranstaltung „Sturm gelaufen“. Es wurde vielmehr über ein Thema gesprochen und lebhaft diskutiert.

Wir möchten uns weiterhin gegen die Verwendung falscher und verunglimpfender Bezeichnungen wie „Penner“ oder „erledigen“ wehren, die nicht dazu dienen, die Leser sachlich und in entsprechender journalistischer Qualität über Ereignisse in ihrer Stadt zu informieren. Obdachlose sind keine Penner, sondern Menschen, die durch individuell verschiedene Ursachen ihre Wohnung verloren haben und durch eine Kette vorangegangener bzw. resultierender Faktoren sozial abgerutscht sind. Es muss wohl nicht betont werden, dass der Ausdruck „erledigen“ im Zusammenhang mit Menschen, noch dazu Obdachlosen, auch andere Rückschlüsse ermöglicht.

Es wird eine weitere Bürgerversammlung stattfinden. Über den Termin werden wir zu gegebener Zeit informieren. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die Öffentlichkeit regelmäßig über den Fortgang unseres Projektes zu informieren, um auf die Probleme obdachloser Menschen in Berlin aufmerksam zu machen und das soziales Bewusstsein der Berliner zu erhöhen. Die Ärmsten der Stadt benötigen dringend unsere Hilfe.

Katrin Ketelhut
Der Vorstand



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05.09.2010

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